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Twitter verboten, Facebook erwünscht

Ob Internet, Presse, Fernsehen oder das direkte Gespräch – Politiker haben heute viele Möglichkeiten, den Wähler zu mobilisieren. Doch welche Mittel sind am effektivsten? Zwei langjährige Berater geben Tipps – und sagen, was Politiker auf gar keinen Fall tun dürfen. Von Thomas Tacke.

Die fünf Gebote:

Politiker müssen selbst mobil sein!
Heiko Kretschmer: „Gerade vor Wahlen ist es ein Muss, zu den Bürgern zu fahren und das persönliche Gespräch zu suchen – egal, wo die Bürger wohnen. Die Strecken, die Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier vor der Bundestagswahl abfahren, würden für mehrere Welt-Umrundungen reichen.“

Politiker müssen schnell reagieren!
Michael Spreng: „Entscheidungen und Neuigkeiten werden immer schneller veröffentlicht. Online-Medien haben mittlerweile schon eine große Deutungshoheit bekommen. Politiker müssen diese Nachrichten besser verfolgen und in der Lage sein, schnell auf Veränderungen zu reagieren.“

Politiker müssen auf mehreren Kanälen präsent sein!
Spreng: „Präsenz in den kleinen Regionalzeitungen ist genauso wichtig wie der Auftritt im Internet. Niemand darf dabei das Fernsehen vergessen: Über dieses dominante Medium werden weiterhin die meisten Wählerstimmen gewonnen.“

Politiker müssen glaubwürdig sein!
Kretschmer: „Politiker müssen verstehen, dass erfolgreiche Kommunikation mit Glaubwürdigkeit zu tun hat. Die kann aber nur durch ein einheitliches Reden und Handeln entstehen. Politiker dürfen also nicht vom Sparen reden und gleichzeitig in der Öffentlichkeit mit Geld um sich werfen.“

Politiker müssen Internet-Netzwerke gezielt auswählen!
Kretschmer: „Ein älterer Bundestagsabgeordneter, der nicht mal seine E-Mails liest, sollte kein eigenes Profil bei Facebook erstellen. Das ist nicht authentisch. Dann sollte er dafür besser einen Mitarbeiter einstellen, der sich damit auskennt. Man sollte sich nicht jedes neue Medium verzweifelt aneignen. “

Die fünf Verbote:

Politiker dürfen nicht twittern!
Spreng: „Twittern ist für Politiker nicht geeignet, da kein Entscheidungsträger es schafft, seine zentrale Botschaft in nur maximal 140 Zeichen auszudrücken. Auftritte in sozialen Netzwerken wie Facebook oder MeinVZ gehören aber zur Grundausstattung, um auch im Internet präsent zu sein.“

Politiker dürfen nicht unüberlegt ihr Privatleben veröffentlichen!
Kretschmer: „Grundsätzlich gilt: Je mehr Privates in die Öffentlichkeit getragen wird, desto mehr Privates wird auch von der Öffentlichkeit thematisiert. Wenn Politiker ihre Ehe ins Gespräch bringen, müssen sie damit rechnen, dass die Leute auch darüber sprechen und mehr wissen wollen.“

Politiker dürfen keinen Frontalunterricht im Internet betreiben!
Spreng: „Aufzeichnungen von Pressekonferenzen oder Parteitagsreden sollten nicht einfach ins Netz gestellt werden, ohne dass sie kommentiert werden können. Das Internet ist ein Dialogmedium, das durch die Öffentlichkeit mitgestaltet werden sollte.“

Politiker dürfen nicht in die Fallen der Medien tappen!
Spreng: „Medien inszenieren Politiker gerne nach ihren Wünschen. Ein Beispiel dafür ist das Foto von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf dem Times Square in New York. Die Medien baten ihn, dort zwischen Bürotürmen und Leuchtreklamen weltmännisch die Arme auszubreiten. Später wurde das Bild mit „Der kleine Baron im großen New York“ kommentiert. Politiker müssen aber wissen, welche Wirkung ihre Bilder haben. Sie sollten in diesen Situationen besser selbst Themen und Bilder setzen und nicht alle Medienwünsche erfüllen.“

Politiker dürfen nicht nur alleine Entscheidungen treffen!
Kretschmer: „Politiker müssen oft extrem komplexe Entscheidungen treffen. Da kann man nicht erwarten, dass sie für alle Themen Experten sind. In solchen Fällen sollten daher unabhängige Berater und Organisationen miteinbezogen werden, die Fachwissen und einen kritischen Blick mitbringen.“

Heiko Kretschmer. Foto: Johanssen + Kretschmer Heiko Kretschmer führt die Kommunikationsagentur „Johanssen + Kretschmer“ und sitzt im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung. Michael Spreng ist ausgebildeter Journalist und arbeitet seit 2001 als selbständiger Kommunikationsberater. Der 61-Jährige leitete 2002 den Wahlkampf von Edmund Stoiber und war danach Medienberater von Jürgen Rüttgers. Michael Spreng - Foto: Thomas Tacke

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