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Politik in Berliner Hinterzimmern

Politik wird längst nicht mehr nur im Bundestag gemacht. Der Berater Uwe Alschner zeigt inoffizielle Treffs in Berlin, wo Politiker abseits der Öffentlichkeit Entscheidungen fällen. Von Thomas Tacke.

Uwe Alschner ist Geschäftsführer von „elfnullelf“, einer Agentur für politische Kommunikation in Berlin. Der 43-Jährige arbeitete für das Auswärtige Amt in Bonn, war danach in mehreren politischen Organisationen tätig und ist seit 2004 selbstständiger Unternehmensberater.

Durch seine Arbeit im Regierungsviertel steht er im regelmäßigen Kontakt mit den Mitgliedern des Bundestages – und das nicht nur im Reichstag. „Politik hat sich in den letzten Jahren räumlich und zeitlich stark verändert. Manche Stimmen sagen, dass an anderen Orten in Berlin mittlerweile mehr Politik als im Bundestag gemacht wird. Diese Treffpunkte sind längst nicht immer öffentlich bekannt“, sagt Alschner. Zu den Orten, an denen neben dem Parlament viele Entscheidungen getroffen werden, gehörten etwa die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft, das Kaffeehaus „Einstein“, die Landesvertretung Nordrhein-Westfalens und das Lokal „Ständige Vertretung“.

Uwe Alschner vor dem Reichstag. Foto: Thomas Tacke Bundestag: Im deutschen Parlament beschließen die Abgeordneten Gesetze. Zwar haben die Berater keinen Zutritt zum Plenarsaal – doch rund um den Reichstag haben sie dennoch die Möglichkeit, Einfluss auf die Abgeordneten zu nehmen: „Dann trifft man sich zum Beispiel in der Kantine, oder man kommt ins Büro des Abgeordneten. Auch in der Lobby werden Probleme diskutiert und Interessen vertreten.“
Politik mit Ambiente - Foto: Thomas Tacke

Deutsche Parlamentarische Gesellschaft: Nur aktuelle und ehemalige Abgeordnete des Bundestages und des Europäischen Parlaments dürfen Mitglieder dieser Vereinigung werden, die sich regelmäßig im Reichstagspräsidentenpalais trifft. „Das ist eine ganz erlauchte Runde. Die Gesellschaft gleicht einem britischen Club mit edlem Ambiente und strengen Regeln“, sagt Alschner.

Kaffeehaus “Einstein”

Politik mit Festen: Foto: Thomas Tacke Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen: Die regelmäßigen Treffen der Spitzenvertreter von Politik und Gesellschaft werden hier oft genutzt, um politische Vorbesprechungen für spätere Gesetze zu führen”, erklärt der Berater. Beliebt seien besonders die parlamentarischen Abende und Sommerfeste: „Bei solchen Veranstaltungen sind die Politiker eher in Feierabendstimmung. Sie trinken gesellig ein Bier oder einen Wein und können leichter angesprochen werden.“
Politik mit Kölsch: Foto: Thomas Tacke Ständige Vertretung“: Das Lokal am Spree-Ufer liegt in der Nähe der Regierungsgebäude und fällt durch seine ungewöhnliche Einrichtung auf: Alle Wände sind komplett mit historischen Bildern aus der Bonner Republik und der DDR dekoriert. Hier seien abends nicht nur viele Abgeordnete, sondern auch ihre Mitarbeiter bei einem „Kölsch“ an der Theke anzutreffen. „Die Mitarbeiter sind für die Politikberatung von zentraler Bedeutung, denn sie bereiten für ihre Arbeitgeber den Arbeitsalltag vor. Ein guter Draht ist da hilfreich“, sagt Alschner.

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